Diese Website verwendet Cookies um die User Experience zu verbessern. Indem Sie auf "Schließen" klicken bzw. die Website weiter verwenden, stimmen Sie der Cookie Nutzung zu. Weitere Informationen finden Sie unter unserer Datenschutzerklärung.

Flüssiger sprechen

©Wolfgang Simlinger
©Wolfgang Simlinger

Sie lernen seit kurzem Deutsch und möchten bald fließend auf Deutsch ein Gespräch führen können. Oder aber Sie lernen schon seit Jahren Deutsch und fragen sich, wann Sie den Sprung schaffen, um endlich ohne längere Pausen und dem Suchen nach der richtigen Deklination zu sprechen.

 

Doch was bedeutet eigentlich für Sie „flüssiger sprechen“? Keine Fehler zu machen? Alle Wörter aus dem Wörterbuch zu beherrschen? Nicht lange an die Grammatik denken zu müssen? Eine mögliche Definition für „flüssig sprechen“ könnte wie folgt lauten: „Flüssiges Sprechen bedeutet eine Sprache in natürlichem Sprechtempo, ohne große Mühe, spontan und ohne lange Pausen zu benutzen.“ Können Sie dem zustimmen? Wie könnte Ihre Definition lauten? Besonders interessiert uns an dieser Stelle natürlich, wie das zu erreichen ist. Gerne möchten wir Ihnen hier Tipps geben, damit Sie bald flüssiger sprechen können. 

1. Akzeptieren Sie Ihre momentanen Sprachkenntnisse und Fähigkeiten 

Freuen Sie sich über das, was Sie bereits können! Und sehen sie es als ideale Ausgangslage, um besser zu werden. Bei allem, was man erlernt – egal ob Gitarre spielen oder eine neue Sportart - braucht es Geduld und Übung. Dann lassen sich unweigerlich Fortschritte erkennen. 

2. Lernen Sie nie einzelne Vokabeln ohne Zusammenhang

Ich kann mir 10 Mal laut die Vokabel vorsagen „normalerweise, normalerweise, normalerweise…“ und sie mir trotzdem nicht merken. Wenn ich hingegen einen persönlichen, emotionalen oder besonders originellen Satz mit der zu lernenden Vokabel bilde, verankert sich das Wort eher in Erinnerung: „Normalerweise fahre ich zu Weihnachten zu meiner Familie.“ 

 

Aber noch besser als der Tipp, persönliche Beispielsätze zu notieren, ist der Ratschlag, Wörter in einer festen Verbindung zu lernen. Ein banales Beispiel aus der ersten Unterrichtsstunde: Ich lerne nicht die Wörter „gut“ und „Morgen“ voneinander getrennt, sondern sofort als Verbindung „Guten Morgen!“ Auf diese Weise habe ich automatisch die richtige Deklination des Adjektivs mitgelernt, ohne später im Gespräch erst überlegen zu müssen, auf welche Deklinationstabelle ich mental zugreifen muss. Weitere Beispiele dafür könnten lauten: „Ich hätte gern… / Ich komme aus… / Meiner Meinung nach… “

3. Lernen Sie formelhafte Wendungen und bauen Sie Gesprächsroutinen auf!

Seien wir ehrlich, viele Gesprächssituationen folgen einem immer gleichen Schema. Zwei Leute treffen sich: 1. sie begrüßen sich und 2. sie fragen nach dem Befinden. Wie sagt man das auf Deutsch? Welche Möglichkeiten gibt es auf Deutsch für die Begrüßung? Wie kann man nach dem Befinden fragen? Machen sie Wortschatzlisten, die nach Gesprächssituationen eingeteilt sind. 

 

sich begrüßen: Hallo! Grüß Gott! Herzlich Willkommen! Schon lange nicht mehr gesehen! Schön, Sie kennenzulernen! Es freut mich, Sie wiederzusehen! 

 

nach dem Befinden fragen: Wie geht es Ihnen? Wie geht’s denn so? Was läuft denn so bei dir? Was gibt’s Neues? 

 

am Telefon: ...

im Restaurant: ...

...

Mit solchen Wortschatzlisten können Sie sich auf bestimmte Gesprächssituationen vorbereiten. Sie können sozusagen vorarbeiten, kennen bereits den Aufbau und können so einige Bausteine des künftigen Gespräches auswendig lernen. Wenn Sie bspw. in einer Diskussion das Redemittel „Meiner Meinung nach…“ als feste Wendung beherrschen, müssen Sie sich nicht mehr über die Grammatik den Kopf zerbrechen, sondern können sofort darüber nachdenken, was Sie eigentlich sagen möchten. 

 

Wann immer Sie einen Dialog im Kursbuch lesen/hören, ein kurzes Video oder einen ganzen Film im Internet ansehen oder deutschsprachige Touristen belauschen – hören Sie aktiv auf solche Gesprächsroutinen hin und notieren Sie das Gehörte! 

4. Pausen sind natürlich, doch Muttersprachler wissen sich zu helfen!

Schon mal von Füllwörtern gehört? Das sind einzelne Wörter oder Ausdrücke, die keine tragende Bedeutung haben, aber im Gespräch willkommene Helferlein sind, die überleiten, Pausen füllen und uns sehr authentisch klingen lassen können. Einige Beispiele sind hier genannt: „Ach, so!, sozusagen, was weiß ich, keine Ahnung, halt, eben, naja, genau, und so weiter…“ Damit bleibt man im Redefluss und klingt sehr überzeugend. 

 

Einen weiteren Ratschlag möchte ich Ihnen hier nicht vorenthalten: 

 

EXTRA-Tipp: In unseren Kursen gibt es häufig Übungen mit vorgegebenen Redemitteln. Bspw.: Führen Sie mit einem Partner Dialoge im Restaurant! Verwenden Sie dazu die Redemittel im Kasten. Als Lehrerin habe ich sehr oft bemerken müssen, dass Kursteilnehmer*innen leider viel zu selten auf die Hilfe der Redemittel zurückgreifen! Stattdessen erproben Sie die schwierigsten Sätze und möchten sich durch Originalität beim Bestellen hervortun. Machen Sie das nicht. Halten Sie sich an die vorgegebenen Redemittel und wiederholen Sie sie im Gespräch auch hundertmal! Denn das ist das Geheimnis für Ihre Fähigkeit flüssiger zu sprechen: Wiederholung! Wiederholen Sie Sätze, Dialoge, Redemittel, etc. so lange, bis Sie in Blut und Knochen übergehen! 

 

Es gibt noch viele weitere Tipps! Wir bieten immer wieder Workshops zu diesen Themen an. Haben Sie sich schon zu unserem Newsletter angemeldet, um auf dem Laufenden zu bleiben? Das können Sie hier nachholen.

 

Haben Sie Anmerkungen oder eigene Erfahrung, die Sie mit uns teilen möchten?

Dann bitte melden Sie sich bei Daniela Hell unter hell@oeiroma.it.

 

© Text von Daniela Hell